Auf den blutigen Spuren der "schwarzen Witwe"

Grausame Morde an Deutschen in der Umgebung von Teplitz/Teplice nach den Zweiten Weltkrieg

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs verbreitete eine Bande von menschlichen Bestien unter Führung des tschechischen Leutnants Czerny in der Umgebung von Teplitz-Schönau/Teplice Angst und Schrecken. Die Bande verübte grausame Morde und folterte Deutsche bis zum Tod. Nach Zeugenberichten gehörte der Mörderbande eine junge Frau Elisabeth R. an. Der inzwischen verstorbene Heimatforscher, Herbert Koc, beschrieb in einer Dokumentation Elisabeth R. wie folgt: Sie war an Brutalität und Härte kaum zu überbieten und dementsprechend gefürchtet. Koc schrieb dazu im "Teplitzer Anzeiger": Wochenlang zog die mit Maschinenpistolen ausgerüstete Czerny-Bande einschließlich Elisabeth R. aus H. von Dorf zu Dorf gegen wehrlose Menschen. Unzählige denunzierte Menschen sind ihnen zum Opfer gefallen Manche wurden an Ort und Stelle zu Tode geprügelt, andere wurden nach Welboth gebracht und dort "erledigt".

Bauer an Scheunentor genagelt und grausam ermordet

Koc berichtet weiter von verschiedenen Gräueltaten der Bande. So wurde eine Kriegsversehrter aus Berlin mit einem Ochsenziemer fürchterlich zugerichtet und als der Mann blutüberströmt am Boden lag habe ihm das Flintenweib R. Salz in die offenen Wunden gestreut und sie sei mit den Stiefeln auf dem Gesicht herumgetrampelt.

Eine Frau musste sich an die Hauswand stellen. Sie wurde von mehreren Männern und von Elisabeth R., der Geliebten des Leutnant Czerny, so fürchterlich geschlagen, dass sie sich mit den Fingern an der Hauswand hochzuziehen versuchte.

Auch auf dem Hof des Bauern Tropschuh in Schima geschah eine unbeschreibliche Grausamkeit. Die Czerny-Bande nagelte den Bauern an das Scheuenentor und folterte ihn zu Tode. Ein Augenzeuge berichtet von zwei jungen Männern und einer Frau (18- 20 Jahre alt), die auf den Hof kamen. Ein Mann sei mit einer Pistole bewaffnet gewesen. Die Frau hätte eine Reitpeitsche bei sich geführt. Die Frau misshandelte den Zeugen auf brutalste Weise mit ihrer Reitpeitsche. Einer der Männer habe geschossen, jedoch ohne zu treffen. Die Partisanenfrau steckte den Bauern Tropschuh etwas Undefinierbares in den Mund.

Nach dem Bericht einer weiteren Zeugin brachte die Czerny-Bande ihren Ehemann auf den Marktplatz von Hertine und ermordete ihn dort mit einem Genickschuss.

Danach sei Leutnant Czerny mehrmals mit einer jungen Frau auf den Hof gekommen. Einmal hätte er versucht, sie mitzunehmen. Als sie ihn anflehte, sie habe kleine Kinder, sagte die Frau: "Lass sie laufen", führte die Zeugin weiter aus.

Eine weitere Zeitzeugin bemerkte, Elisabeth R. sei als "Bestie von H." bezeichnet worden.

Tschechische Zeitzeugen verurteilen Verbrechen an Deutschen

Aufgrund eines Aufrufs im Internet, dass sich Zeitzeugen melden sollen, schrieb ein tschechischer Staatsbürger, tschechische Zeitzeugen würden die von Leutnant Czerny und seiner Geliebten verübten Verbrechen bestätigen.

Der Tscheche schrieb weiter, er und seine Mutter verurteilten diese Verbrechen.

Aufgrund einer Strafanzeige leitete die Staatsanwaltschaft Hof an der Saale ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Mordes gegen Czerny und weitere Beteiligte, so auch gegen Elisabeth R. aus H., ein. Das Landeskriminalamt München führte umfangreiche Ermittlungen unter anderem auch Vernehmungen von Zeitzeugen durch.

Tschechische Strafverfolgungsbehörden ermittelten intensiv

Weiterhin erfolgten aufgrund eines Rechtshilfeersuchens durch die Staatsanwaltschaft Hof Ermittlungen durch die Bezirksstaatsanwaltschaft Aussig/Elbe/Usti nad Labem. In einem Scheiben der Staatsanwaltschaft Hof heißt es dazu: Durch Ermittlungen der tschechischen Behörden konnte der Beschuldigte Cerny als AntoninCerny identifiziert werden, Cerny, letzter Dienstgrad Leutnant, verstarb am 12.7.1945 durch Selbstmord, nachdem er durch tschechische Behörden wegen seiner Taten zur Verantwortung gezogen werden sollte.

Bei der als im Anzeigeschreiben des Herrn Adolf Wolf und in anderen Unterlagen sowie in Zeugenvernehmungen als Beschuldigte bezeichnete Elisabeth R. besteht der dringende Verdacht, dass es sich hierbei um Ludmilla U, geborene R., wohnhaft gewesen in Rossbach/Hranice, verwitwete Rentnerin, tschechische Staatsangehörige gehandelt hat. Die Beschuldigte U. verstarb nach Mitteilung der tschechischen Behörden am 15. 10.2004.

Die Staatsanwaltschaft Hof stellte das Verfahren ein, weil die als Beschuldigte in Frage kommenden Personen entweder verstorben sind oder nicht identifiziert werden konnten.

Die "schwarze Witwe" lebte unerkannt als biedere Hausfrau

Der Lebensweg der "schwarzen Witwe", konnte mit Hilfe des Zeugen Eduard Sties weiterverfolgt werden.

Im Gegensatz zu Leutnant Cerny wurde sie damals wegen ihrer Straftaten von den tschechoslowakischen Behörden nicht zur Rechenschaft gezogen.

Der Teplitzer Heimatforscher, Herbert Koc, hatte noch geschrieben, Elisabeth R. die wohl Schlimmste unter ihnen, lebt irgendwo in Deutschland unter anderem Namen.

Durch Ermittlungen der tschechischen Kriminalpolizei war es möglich, den Wohnort von Elisabeth R. ausfindig zu machen. Die "schwarze Witwe" wohnte in Rossbach/Hranice in einer früheren Fabrikarbeitersiedlung. Haus und Grundstück sind sehr gepflegt und stehen zum Verkauf. Eine Streife der tschechischen Polizei leistete bei der Suche nach dem Haus Hilfestellung.

Wie zu erfahren war, heiratete Elisabeth R. 1948 einen Bergbauingenieur. Sie hat zwei Töchter. Vor 22 Jahren zog sie nach Rossbach/Hranice. Von ihrer kriminellen Vergangenheit wusste niemand etwas. Sie lebte als biedere Hausfrau dort, war als gute Nachbarin bekannt und engagierte sich in Vereinen. Ludmilla U. sprach ein gutes Deutsch, verleugnete jedoch ihre deutsche Abstammung. Offensichtlich glaubte die schwarze Witwe, über ihre Vergangenheit sei schon Gras gewachssen, als sie sich bei der tschechischen Polizei meldete und erklärte, sie habe erfahren, sie werde gesucht. Bei der Vernehmung gab Ludmilla U an, sie habe Leutnant Cerny gekannt, sei aber nicht seine Geliebte gewesen. Zu den Morden äußerte sie sich nicht. Nachbarn stellten anschließend eine große Unruhe bei ihr fest. Ludmilla U. nahm laufend Tabletten. Am Abend vor ihrem Tod sei sie noch einmal um die Häuser der Siedlung gegangen. Am folgenden Tod fand man die "schwarze Witwe" tot im Obergeschoss ihres Hauses. Ob sie Selbstmord verübte, ist nicht bekannt. Sie wurde auf dem Friedhof in Rossbach/Hranice in einem Urnengrab beigesetzt.

Straffreistellungsgesetz findet keine Anwendung mehr

Wie dieser Fall zeigt, wird in der Tschechischen Republik das sogenannte Straffreistellungsgesetz vom 8. Mai 1946 nicht mehr angewendet. Nach diesem Gesetz, das noch nicht aufgehoben wurde, sind Straftaten, die in der Zeit vom 30.September 1938 bis 28 Oktober 1945 an Deutschen begangen wurden, dann nicht widerrechtlich, wenn sie sonst nach den geltenden Vorschriften strafbar gewesen wären.

Nach eigenen Erfahrungen haben junge tschechische Staatsanwälte und junge tschechische Kriminalbeamte eine andere Auffassung zu Straftaten, die an Deutschen nach 1945 verübt wurden, als die vorherige Generation.

Adolf Wolf